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Entwicklung der weltweiten Waldfläche

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Autor (-en):
Michael Seiler und Ingolf Profft, DEMO Project, CarboEurope-IP
TLWJF Gotha
Kontakt:
Einstellung am:
27.02.2006
Dokumenttyp:
Projektbeitrag
Zusammenfassung:
Noch immer wird ein hoher Anteil der weltweiten CO2-Emissionen durch die Abholzung von Wald − insbesondere in Afrika, Südamerika und Südostasien − verursacht. Dabei spielt neben der absoluten Waldflächenentwicklung insbesondere die Entwicklung der Urwälder eine Rolle, da diese Wälder besonders viel Kohlenstoff speichern können.
Dieser kurze Beitrag zeigt mit Grafiken und Tabellen die Schwerpunkte der Waldzerstörung aber auch die Länder mit den stärksten Aufforstungsbemühungen.

Kein Ökosystem dieser Erde kann eine so große Zahl an Funktionen und Leistungen erbringen, wie die Wälder. Im Zusammenhang mit Klimawandel und Treibhausgasemissionen rückt eine in der Vergangenheit oftmals nicht wahrgenommene Funktion stärker in den Mittelpunkt: die Aufnahme und Speicherung von Kohlendioxid. Auch wenn dies unter Fachleuten seit langem bekannt ist, sind die internationalen Bemühungen zum Schutz und zur Erhaltung der Wälder und die Erhöhung der weltweiten Waldfläche bisher nicht erfolgreich gewesen. Ganz im Gegenteil: noch immer nimmt die gesamte Waldfläche der Welt ab. Die Gründe hierfür sind sehr verschiedengestaltig, konzentrieren sich aber oft auf wirtschaftliche Bereiche, wie z. B. die Gewinnung von Ackerland − jedoch nicht zur Sicherung der Versorgung für die einheimische Bevölkerung. Insbesondere in Südamerika, Südostasien und Afrika geht der Waldflächenverlust nahezu ungebremst voran. Insgesamt liegt der jährliche Waldverlust bei mehr als 11 Mio. Hektar. Tabelle 1 listet die Länder mit der größten negativen Waldflächenbilanz auf. Mit über 3 Mio. bzw. knapp 1,9 Mio. Hektar Waldflächenabnahme pro Jahr (bezogen auf die Periode 2000-2005) sind Brasilien und Indonesien die Staaten mit dem größten Waldflächenverlust. Zum Vergleich: die Gesamtwaldfläche Deutschlands beträgt rund 10 Mio. Hektar.
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Tab. 1: Die zehn Länder mit der größten negativen Waldflächenbilanz pro Jahr (Betrachtungszeitraum 2000-2005)

(Quelle: FAO Global Forest Resources Assessment 2005)

Land Waldflächenverlust pro Jahr in der Periode 2000-2005
1 Brasilien 3.103.000 Hektar
2 Indonesien 1.871.000 Hektar
3 Sudan 589.000 Hektar
4 Myanmar 466.000 Hektar
5 Sambia 445.000 Hektar
6 Tansania 412.000 Hektar
7 Nigeria 410.000 Hektar
8 Kongo 319.000 Hektar
9 Simbabwe 313.000 Hektar
10 Venezuela 288.000 Hektar



Jedoch gibt es zunehmend auch nationale Anstrengungen, die Waldfläche zu erhöhen. Besonders in China hat sich aufgrund eines nationalen Aufforstungsprogramms die Waldfläche in den letzten Jahren um durchschnittlich 4 Mio. Hektar pro Jahr erhöht. Weitere Staaten mit einer deutlich positiven Waldflächenbilanz sind Spanien (+296.000 ha/Jahr), Vietnam (+241.000 ha/Jahr), die USA (+159.000 ha/Jahr) sowie Italien (+106.000 ha/Jahr). In der Gesamtbilanz ergibt sich jedoch noch immer ein deutlicher Waldflächenverlust in Höhe von mehr als 7,3 Mio. Hektar. Abbildung 1 zeigt die aktuelle Waldflächenentwicklung in der Welt (nur Staaten mit einer Waldflächenbilanz von mehr als ±100.000 ha sind in der Abbildung erfasst).

Große Grafik zur weltweiten Waldflächenbilanz - Bild anklicken ...

Abb.1: Weltweite Waldflächenzu- und -abnahme (zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)

(Quelle: FAO Global Forest Resources Assessment 2005)

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Aber nicht allein die reine Waldflächenbilanz ist bei der Diskussion um Kohlenstoff in Wäldern entscheidend, sondern der Anteil natürlicher Urwälder bzw. deren Verluste. Im Vergleich zu Wirtschaftswäldern speichern diese entscheidend mehr Kohlenstoff und nehmen trotz ihres Alters noch immer Kohlenstoff auf. Demzufolge kann eine Plantagenaufforstung nach der Rodung von Urwald nicht als ausgeglichen in Bezug auf die Kohlenstoffbilanz angesehen werden (das gleiche gilt auch für andere Aspekte, wie beispielsweise Biodiversität).
Wiederum Brasilien und Indonesien sind die Länder mit den höchsten Flächenverlusten. Es wird aber auch deutlich, dass in Ländern mit einer relativ ausgeglichenen oder gar positiven Waldflächenbilanz, wie Russland und die USA, noch immer Urwälder vernichtet werden und das auf den ersten Blick positive Gesamtbild nur durch Aufforstungen, in erster Linie in Form von intensiv genutzten Plantagen, erzielt wird. Insgesamt liegt die Gesamtfläche unwiederbringlich zerstörter Naturwälder bei rund 7,2 Mio. Hektar pro Jahr. Dies entspricht einer Vernichtung von Urwald auf einer Fläche von mehr als 2 Fussballfeldern in jeder Minute über das gesamte Jahr. Tabelle 2 und Abbildung 2 zeigen die wichtigsten Länder in Bezug auf die Urwaldvernichtung.


Tab. 2: Die zehn Länder mit dem höchsten jährlichen Verlust an Urwald (Betrachtungszeitraum 2000-2005)

(Quelle: FAO Global Forest Resources Assessment 2005)

Land Verlust von Urwald pro Jahr in der Periode 2000-2005
1 Brasilien 3.466.000 Hektar
2 Indonesien 1.448.000 Hektar
3 Russland 532.000 Hektar
4 Mexiko 395.000 Hektar
5 Neuguinea 250.000 Hektar
6 Peru 225.000 Hektar
7 USA 215.000 Hektar
8 Bolivien 135.000 Hektar
9 Sudan 118.000 Hektar
10 Nigeria 82.000 Hektar
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Große Grafik zu den weltweiten Urwaldverlusten - Bild anklicken ...

Abb.2: Weltweite Verluste an Urwald (zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)

(Quelle: FAO Global Forest Resources Assessment 2005)

Auch das sich aus den Aufforstungsbemühungen ergebende positive Bild Chinas relativiert sich bei genauer Analyse. Insgesamt soll im Rahmen von drei einzelnen Aufforstungsgroßprojekten ("Grüne Große Mauer", Wassereinzugsgebiet Jiangtse- Kiang sowie Küstenschutzprogramm) bis zum Jahr 2050 wieder Wald auf einer Fläche von rund 60 Mio. ha etabliert werden.
Einerseits fanden neben den Phasen der Waldvernichtung in den verschiedensten Zeitepochen der Landesgeschichte noch bis Ende der 1950 Jahre erhebliche Rodungsmaßnahmen (z. B. zur Gewinnung von Holzkohle für die aufstrebende Stahlindustrie) im Land statt. Die Folgen sind bis heute − teilweise in sehr großräumigem Maßstab − sichtbar (Erosion mit Bodenverlust, Bodenzerstörung, Desertifikation und Versalzung). Andererseits erfolgten die Aufforstungen in der Vergangenheit zum großen Teil als Monokulturen und teilweise auch als Monoklonkulturen, wobei auch nicht heimische Baumarten verwendet wurden, deren Eignung nicht in jedem Fall geprüft wurde. Erst in jüngerer Zeit ist mit der Anlage mehrschichtiger Wälder aus einheimischen Baumarten eine Trendwende erkennbar.

Der Beitrag
» Zerstörung von Urwäldern geht weltweit ungebremst voran − ein Beispiel aus Indonesien
zeigt ein aktuelles Beispiel für die fortgesetzte Urwaldzerstörung.

Quellen:

  1. FAO (Hrsg.) (2006): Global Forest Resources Assessment 2005.
    (online unter » www.fao.org; Abruf am 24.02.2006; 15:00 Uhr)

  2. Weisgerber, H. (1995): China. in Herkendell, J. und Pretzsch, J. (Hrsg.): Die Wälder der Erde − Bestandsaufnahme und Perspektiven. München.

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