Button zur vorherigen Seite (zurueck)
normale Schriftgröße mittlere Schriftgröße große Schriftgröße hoher Kontrast (schwarz⁄weiß) Standardkontrast (Farbe)

Die Auswirkungen der Klimaveränderung auf das Ökosystem Wald am Beispiel der Fichte in Thüringen

Button fuer die druckeroptimierte Seite
Autor (-en):
Franziska Singer, Caroline Zentgraf, Pia Elsässer und Sabrina Dölz
Marie-Curie-Gymnasium Bad Berka⁄Thüringen
Kontakt:
e-mail an
» fraenze90(at)gmx.net

oder direkt über das Redaktionsteam unter
» co2projekt(at)forst.thueringen.de
Zusendung am:
26.01.2009
Einstellung am:
22.02.2009
Dokumenttyp:
für das Internetportal "Wald & Klima" zur Verfügung gestellte Zusammenfassung der gleichnamigen Seminarfacharbeit, erstellt im Rahmen der 12. Klasse am Marie-Curie-Gymnasium Bad Berka⁄Thüringen
Zusammenfassung:
Innerhalb dieser Arbeit setzten sich die Schüler intensiv mit der Thematik Klimawandel auseinander. Anhand von eigenen Datenerhebungen zur Witterung und der Auswertung von vorliegenden Daten sollten die Auswirkungen des Klimas auf regionale Wälder und speziell auf die in der Untersuchungsregion häufigste Baumart Fichte analysiert werden. Die Veränderung des Klimas sollte dabei mit Hilfe drei verschiedener Klimaelemente nachgewiesen werden: Temperatur, Wind und Niederschlag. Bei den Auswertungen wurde der Zeitraum von 1900 bis 1950 mit dem von 1993 bis 2007 verglichen.
"Der globale Klimawandel ist eine Tatsache, der wir alle gemeinsam große Aufmerksamkeit zu schenken haben, denn durch die prognostizierte Klimaänderung werden sich die thüringischen Wälder in ihrem Aufbau stark verändern." (1)

Dies äußerte der Thüringer Minister für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Doktor Volker Sklenar. Doch mittlerweile ist der Klimawandel und dessen Folgen nicht mehr nur ein Problem von Fachleuten sondern geht uns alle etwas an.
Aus diesem Grund beschäftigten wir uns, eine Seminarfachgruppe des Marie-Curie-Gymnasiums, im Rahmen des oben genannten Themas mit der Problematik.
Innerhalb dieser Arbeit überprüften wir nicht nur, ob der Klimawandel wirklich existiert, sondern auch dessen Einfluss auf unser heimisches Ökosystem. Die gewonnen Ergebnisse möchten wir Ihnen nun präsentieren und einen kleinen Anstoß geben, sich mit dieser Thematik näher zu beschäftigen.
Die Veränderung des Klimas sollte mit Hilfe drei verschiedener Klimaelemente nachgewiesen werden: Temperatur, Wind und Niederschlag. Bei den Auswertungen wurde der Zeitraum von 1900 bis 1950 mit dem von 1993 bis 2007 verglichen.

Der Vergleich beider Perioden zeigt, dass eine Temperaturzunahme von 0,4°C in Thüringen aufgetreten ist. Dieser Temperaturanstieg hat bereits jetzt erheblichen Einfluss auf unser Ökosystem und wird sich bei einer weiteren Erhöhung noch verschärfen. Des Weiteren verlängert sich die Vegetationszeit durch die Temperaturzunahme um ca. zwei Wochen, wodurch unter anderem die Frostgefahr für die Fichten steigt.
Bei der Auswertung der Wind- und Sturmereignisse sind wir weitere fünf Jahre zurückgegangen. Hierbei wird deutlich, dass die Sturmereignisse zahlenmäßig nicht zugenommen haben, aber ein Anstieg der Windgeschwindigkeiten aufgetreten ist. Durch diese extremeren Windstärken ist die Fichte als flachwurzelnde Baumart stärker wurf- und bruchgefährdet als zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die erhöhte Schadholzmenge der letzten Jahre beweist diese Tatsache. Beim Niederschlag ist eine Zunahme in allen Höhenlagen im Herbst und Winter, aber auch eine Verminderung der Niederschlagsmenge im Flachland während der Vegetationszeit zu verzeichnen. In den Hochlagen Thüringens steigt der Jahresdurchschnittsniederschlag bis zu 20%. Durch die Niederschlagszunahme in den Wintermonaten und nicht in der Vegetationszeit entstehen für die Bäume, besonders in den niederschlagsarmen Gebieten, keine Wuchsvorteile.
Werden alle Veränderungen der Klimaelemente zusammen betrachtet, so ist eine deutliche Klimaveränderung in unserer Region zu verzeichnen, die zu verschlechterten Lebensbedingungen der Fichte in bestimmten Regionen Thüringens führt. Besonders das Thüringer Becken ist von diesen Klimaveränderungen stark betroffen. Hier liegt der natürliche Fichtenanteil unter 10%. Im Vergleich dazu liegt er im Thüringer Gebirge bei 75%. Diese extremen Unterschiede entstehen durch die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen in diesen Gebieten.
Die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Fichte, wurden mit Hilfe von Untersuchungen der Nadeljahrgänge bewiesen. Dabei wählten wir sechs 12,75 ha große Fichtenbestände im Thüringer Becken, in der Nähe von Kranichfeld, aus. Dort wurde eine Zählung der Nadeljahrgänge bei den Fichten durchgeführt. Unter normalen Lebensbedingungen erreicht die Fichte sieben, bei idealen sogar 10 Nadeljahrgänge. Doch solche für die Fichte günstigen Bedingungen herrschen in vielen Gebieten Thüringens nicht mehr, so dass ein früheres Abfallen der Nadeln festzustellen ist. Im Untersuchungsgebiet beträgt der Durchschnittswert der Nadeljahrgänge daher nur noch 5,25 Nadeljahre. Dieser geringe Wert ist auf eine erhöhte Temperatur und das Niederschlagsdefizit in der Vegetationsperiode zurückzuführen. Einzig im Thüringer Gebirge tritt durch die niedrigeren Temperaturen und den höheren Niederschlag fast immer eine natürliche Anzahl an Nadeljahrgängen auf.
Der Klimawandel hat jedoch nicht nur direkte Auswirkungen auf die Fichte sondern auch indirekte. Hierbei wurden, als die wichtigsten biotischen Schädlinge der Fichte, die Borkenkäfer, genauer betrachtet. Der Grund ihres gefährlichen Einflusses ist ihr Fraßverhalten und die Temperaturabhängigkeit der einzelnen Entwicklungszeiten. Durch dieses Fraßverhalten zerstören sie den Saftstrom der Leitbündel im Bast des Baumes, so dass der Wasser- und Nährstofffluss nicht mehr gewährleistet ist. Die Aufnahmen hierzu wurden ebenfalls in dem Untersuchungsgebiet durchgeführt und nach langwierigen Messungen konnte festgestellt werden, dass die Entwicklungszeiten der Borkenkäfer bei höheren Temperaturen schneller ablaufen. Als Folge dessen vermehrt sich der Schädling schneller und mehrere Generationen können in einem Jahr auftreten. Somit kann ein Zusammenhang bezüglich der Temperaturzunahme und der Käferzunahme nachgewiesen werden. Außerdem begünstigen Sturm- und Windbruch die schnelle Fortpflanzung des Schädlings, da der Käfer bevorzugt alte, kranke und vom Wind geworfene Bäume angreift.

Mit Hilfe unseren Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass die Fichte in den meisten Gebieten Thüringens nur aufgrund menschlicher Eingriffe vorkommt. Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt ausschließlich im Thüringer Gebirge.
Die für die Fichte zunehmend schlechten Lebensbedingungen im Thüringer Becken führen dazu, dass der Fichtenanteil in diesen Gebieten immer weiter abnehmen wird. Es kommt also zu einer Verschiebung der Baumart vom Flachland in höhere Lagen des Thüringer Waldes, da in diesen Regionen günstigere klimatische Bedingungen für diese Baumart existieren.
Die Fichte ist nicht der einzige Organismus, welcher durch die Klimaveränderungen beeinflusst wird. Jedes einzelne Lebewesen, ob Pflanze oder Tier ist bestimmten klimatischen Bedingungen angepasst. Verändert sich das Klima über einen längeren Zeitraum, so wird das gesamte Ökosystem aus dem Gleichgewicht gebracht. Diese Störung wird teilweise durch die Anpassungsstrategien der Tiere und Pflanzen wieder ausgeglichen. Sollte die Klimaveränderunge weiter voranschreiten, kommt es jedoch zu Artenverlusten, da die Anfälligkeit der Organismen bei Veränderung der Lebensbedingungen steigt. Als Folge dessen wandern neue, besser angepasste Arten ein.

Es ist erwiesen, dass durch das Fortschreiten des Klimawandels die Fichte in Thüringen bald nur noch in wenigen Regionen vorhanden sein wird. Das ist eine Tatsache, mit der wir uns in Zukunft stärker auseinander setzten müssen.

Die gesamte Seminarfacharbeit würden wir Ihnen bei Interesse gerne zukommen lassen. Für Fragen und Anmerkungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Auswahl an Abbildungen und Grafiken aus der Seminarfacharbeit

Bannerbild www.holzundklima.de

Auszählen der Nadeljahrgänge auf den UNtersuchungsflächen

Bannerbild www.holzundklima.de

Darstellung der Durchschnittswerte der Nadeljahrgänge in den einzelnen Untersuchungsgebieten

Bannerbild www.holzundklima.de

Ergebnisse der Messungen des Buchdruckers in Abhängigkeit zur Temperatur im Untersuchungsgebiet

Bannerbild www.holzundklima.de

Entwicklungszeit des Borkenkäfers in Abhängigkeit von der Temperatur



Quelle: (1) Skelar, Volker (2007): Vorwort. In: Klimaschutz und Klimawandel Rolle der Forstwirtschaft. Mitteilungen der Thüringer Landesanstalt für Wald, Jagd und Fischerei, Heft 29⁄2007, S. 3.



Button zur vorherigen Seite (zurueck) Bild zum Anfang der Seite Button zur naechsten Seite (vor) Button zur Startseite