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Das Projekt "AGROWOOD"

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Autor (-en):
Dr. Christof Oldenburg
TU Dresden, Professur für Forst- und Holzwirtschaft Osteuropas, Tharandt
Kontakt:
Zusendung am:
30.11.2006
Einstellung am:
03.12.2006
Dokumenttyp:
für das Internetportal "Wald & Klima" zur Verfügung gestellter Überblick zum Projekt
Zusammenfassung:
Das von der Professur für Forst- und Holzwirtschaft Osteuropas an der TU Dresden von Prof. Albrecht Bemmann koordinierte Forschungsvorhaben hat das Ziel, Erzeuger und Verbraucher landwirtschaftlichen Plantagenholzes zusammenzubringen. Die Optimierung von Ernte, Anbau und Vermarktung sind ebenso Gegenstand der Forschung wie ökologische Auswirkungen der Kurzumtriebsplantagen. Partner sind Landwirte, kleine und mittelständische Unternehmen und renommierte Firmen wie CHOREN Industries aus dem sächsischen Freiberg.

Logo des AGROWOOD-Projektes

Logo des Projektes

Holz aus Kurzumtriebsplantagen zur stofflichen und energetischen Nutzung

Am 06. und 07. November 2006 fand in Tharandt die 1. Fachtagung zum Anbau und zur Nutzung von Bäumen auf landwirtschaftlichen Flächen statt.

Die Themen Energie und die Versorgungssicherheit bestimmen immer stärker die öffentliche Diskussion. Steigende Öl- und Gaspreise bescheren dem Anbau und der Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe eine Hochkonjunktur. Der bedeutendste, das Holz, wird knapp, die Preise steigen - eine Folge des extensiven Ausbaus der Holz verarbeitenden Industrie (Schnittholz, Holzwerkstoffe, Zellstoff) und der verstärkten energetischen Holznutzung in Privathaushalten und Biomasse-Kraftwerken. Die Diskussionen um den Vorrang der stofflichen oder der energetischen Holzverwertung machen Jedem die Brisanz der Entwicklung bewusst. Zudem sind die Wälder in Deutschland eine bedeutende Kohlenstoffsenke. Diese Tatsache gewinnt vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Klimaveränderung immer mehr an Bedeutung. Nachdem die anfängliche Euphorie um die Ergebnisse der BWI2 verflogen ist, besteht die Frage, woher das Holz denn kommen könnte. Zwar verfügen die Wälder in Deutschland mit ca. 3,4 Mrd. m3 Vorrat über ein großes Potenzial, doch ist dieses nicht vollständig nutzbar.
Gleichzeitig unterliegt die EU-Agrarpolitik einem Strukturwandel. Mehr als 1 Mio. ha landwirtschaftliche Nutzfläche sind derzeit in Deutschland stillgelegt. Auf einem Teil davon werden bereits nachwachsende Rohstoffen wie Raps angebaut. Stilllegungsflächen eignen sich aber ebenso zur Anlage von Kurzumtriebsplantagen mit schnellwachsenden Baumarten.
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Diese könnten auf stillgelegten Ackerflächen für ein größeres Holzangebot sorgen und zur Kohlenstoffsequestierung beitragen. Bisher gab es dazu kaum praxisreife Verfahren. Aufgrund des gegebenen Forschungsbedarfs fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung in diesem Zusammenhang drei Forschungsprojekte. Nach einem Jahr Laufzeit fand an der TU Dresden in Tharandt eine zweitägige gemeinsame Fachtagung der drei Verbünde zu diesem Thema statt. Ausrichter der Veranstaltung waren die Partner des Projektes AGROWOOD. Das von der Professur für Forst- und Holzwirtschaft Osteuropas an der TU Dresden von Prof. Albrecht Bemmann koordinierte Forschungsvorhaben hat das Ziel, Erzeuger und Verbraucher landwirtschaftlichen Plantagenholzes zusammenzubringen. Die Optimierung von Ernte, Anbau und Vermarktung sind ebenso Gegenstand der Forschung wie ökologische Auswirkungen der Kurzumtriebsplantagen. Partner sind Landwirte, kleine und mittelständische Unternehmen und renommierte Firmen wie CHOREN Industries aus dem sächsischen Freiberg.

Kurzumtriebsplantage, Bild 1

Kurzumtriebsplantage

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Geeignete Baumarten und Sorten

Frau Dr. Boelcke (Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern) ging in ihrem wissenschaftlich fundierten Vortrag auf die seit 12 Jahren bestehenden Kurzumtriebsplantagen mit Weide in Mecklenburg-Vorpommern ein. Die im 3-jährigen Umtrieb bewirtschafteten Flächen erbrachten nach vier Rotationen (12 Jahre) durchschnittlich zwischen 7 und 10 t Trockensubstanz je ha und Jahr. Sie mahnte an, den großflächigen Anbau nur mit regional empfohlenen Sorten zu starten. Das Ziel der Landesanstalt bestehe unter anderem darin, in Abhängigkeit von Standorten und Bewirtschaftungsintensität (Rotationsdauer) eine entsprechende Sortenempfehlung auszusprechen.
Die Notwendigkeit der Züchtung von standortangepassten Sorten betonte auch Prof. Röhle (Professur für Waldwachstum und Holzmesskunde, TU Dresden). Die Biomasseproduktion hängt neben der Wasser- und Nährstoffversorgung erheblich vom Pflanzverband ab. Eine sichere Ertragsschätzung in Kurzumtriebsplantagen ist nur bei homogenen Standortsverhältnissen möglich. Die bisher häufig kleinflächige Anlage solcher Plantagen, oftmals auf Splitterflächen, erschwert die Vergleichbarkeit von Ergebnissen.

Kurzumtriebsplantage, Bild 2

Kurzumtriebsplantage

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Der Vortrag von Herrn Dr. Hofmann (Hessen Rohstoffe) befasste sich speziell mit der Sortenfrage bei der Pappel. Um in kurzen Produktionszeiträumen hohe Erträge zu erzielen, ist die Wahl der geeigneten Pappelsorten die Grundlage. Für nährstoffarme und gleichzeitig grundwasserferne Böden konnte Dr. Hofmann keine Pappelsorte für den großflächigen Anbau empfehlen, die Risiken seien zu groß. Nur bei ausreichender Wasser- und Nährstoffversorgung ließen sich Pappel-Plantagen wirtschaftlich sinnvoll betreiben. Die in der Landwirtschaft verwendete Ackerzahl ist in diesem Zusammenhang nur bedingt aussagefähig. Grundwasser, das annuelle Kulturen oftmals nicht erreichen können, kann z. B. durch Pappeln durchaus erschlossen werden.
Dass bei der Sortenfrage gerade in der Praxis erheblicher Klärungsbedarf besteht, zeigte auch die anschließende Diskussion. Die in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren ausgesetzte Züchtungsforschung wirkt sich nun negativ aus. In Italien, Belgien und Frankreich besteht das Problem in dieser Form nicht. Zudem unterliegt die Pappel in Deutschland dem Forstvermehrungsgutgesetz. Danach ist nur das Inverkehrbringen von geprüftem Ausgangsmaterial zulässig. Von allen Vortragenden wurde angemahnt, den Rückstand auf züchterischem Gebiet aufzuholen. Hier sind die entsprechenden Gremien gefragt, schnellstmöglich entsprechende Gelder für die Züchtungsforschung bereit zu stellen.

Rechtssicherheit bei Kurzumtriebsplantagen

Die Rechtslage zu Kurzumtriebsplantagen auf landwirtschaftlichen Silllegungsflächen ist klar geregelt. Trotzdem bestehen bei Landwirten Unsicherheiten. Landwirtschaftliche Stilllegungsflächen verlieren durch den Anbau schnellwachsender Gehölze ihren Status nicht. Sie werden nicht zu Waldflächen im Sinne von § 2 Bundeswaldgesetz. Derzeit wird im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz geprüft, ob und mit welcher Maßgabe Schnellwuchsplantagen generell vom Waldbegriff ausgenommen werden können. Der Bundestag hat im Rahmen einer Gesetzesnovelle bereits am 13. April 2006 beschlossen, dass auch solche landwirtschaftlichen Flächen den Anspruch an Silllegungsflächen erfüllen, die für den Anbau von Kurzumtriebsplantagen genutzt werden. Sollen solche Plantagen auf Dauergrünland begründet werden, ändert sich dessen Status in den einer Dauerkultur. Dementsprechend sind die Regelungen der Bundesländer zu beachten.
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Exkursion zu drei Plantagen-Standorten in Sachsen und Brandenburg

Am Nachmittag des zweiten Veranstaltungstages nutzen insgesamt etwa 90 Tagungsteilnehmer die Möglichkeit der angebotenen Exkursionen zu Kurzumtriebsplantagen.
Die bereits 1996 und 1998 in Methau in Sachsen angelegten Pappel-Plantagen waren ursprünglich als Versuchsanlagen unter anderem für die Versorgung eines geplanten Zellsoff-Werkes gedacht. Deshalb wählte man die Pflanzverbände mit 4.000 bis 6.250 Stecklingen je ha auch relativ weit. Prof. Haller von der TU Dresden nutzte das im März 2006 erstmals geerntete Holz bereits als Rohmaterial für die Formvollholzproduktion konstruktiver Elemente im Holz- und Leichtbau. Heute vermittelt die Plantage einen fast waldartigen Eindruck. Der Brusthöhendurchmesser erreichte in Abhängigkeit von der Pappelsorte bereits 13 bis 15 cm. Die Teilnehmer konnten sich davon überzeugen, dass Kurzumtriebsplantagen auch für die stoffliche Nutzung geeignet sind. Ob Spanplatten, Faserplatten, Formvollholz oder Zellstoff - mit einer Rotation von 10 Jahren wären diese Bereiche der Holzindustrie ohne weiteres mit dem Rohstoff Holz zu versorgen. Ein Teil der Fläche wurde nach der Ernte zu Versuchszwecken rekultiviert.
Die Kurzumtriebsplantagen nahe dem brandenburgischen Luckau waren im Frühjahr 2004 mit Pappel, Weide und Robinie angelegt worden. Dabei stand die energetische Verwertung des Holzes in Form von Hackschnitzeln im Vordergrund. Nach Ablauf der zweiten Vegetationsperiode wurde anhand einer Stichprobe der Zuwachs bei Pappel mit 9,8 t TSatro⁄ha*a und bei Robinie mit 10,4 t TSatro⁄ha*a ermittelt. Für den schlecht nährstoffversorgten, trockenen Standort ist das Ergebnis beeindruckend.

Erfolgreiche Tagung

Die Tagung hat die Aktualität des Themas "Holzerzeugung in Kurzumtriebsplantagen" in eindrucksvoller Weise bestätigt. Das Verbundprojekt AGROWOOD lieferte den Beweis, dass man mit dem Thema über den "forstlichen Tellerrand" schaut. Der Zusammenarbeit von Land- und Forstwirten wurde unter anderem durch die anwesenden Vertreter der Sächsischen und Thüringischen Landesanstalten für Landwirtschaft (Dr. habil. Röhricht, Dr. habil. Vetter), durch interessierte Landwirte und Vertreter von Landwirtschaftsämtern Nachdruck verliehen. Der im Rahmen der Tagung herausgegebene Tagungsband kann mit allen Vorträgen und Erläuterungen käuflich erworben werden.

Weiterführende Informationen zum Projekt finden Sie auf der Internetseite zum Projekt unter: » www.agrowood.de

Bild 1 von der Tagung

Bild 2 von der Tagung

Bilder von der Tagung

Die zweite Fachtagung zum Thema "Anbau und Nutzung von Bäumen auf landwirtschaftlichen Flächen" wird vom 2. Juli bis zum 4. Juli 2007 in Freiburg im Breisgau stattfinden. Ausgerichtet wird sie vom Projekt AGROFORST.
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Leitung

Prof. Dr. Dr. h.c. Albrecht Bemmann
TU Dresden, Professur für Forst- und Holzwirtschaft Osteuropas, Tharandt

Koordinator

Dr. Christof Oldenburg

Für weitere Informationen

TU Dresden
Professur für Forst- und Holzwirtschaft Osteuropas
Pienner Str. 19
01737 Tharandt

Tel.: 035203 - 38 31 211
Fax: 035203 - 38 31 283

e-mail: » kontakt(at)agrowood.de


Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

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