Button zur vorherigen Seite (zurueck)
normale Schriftgröße mittlere Schriftgröße große Schriftgröße hoher Kontrast (schwarz⁄weiß) Standardkontrast (Farbe)

Phänologie - Die Beobachtung von jahreszeitlich wiederkehrenden Erscheinungen in der Pflanzen- und Tierwelt

Button fuer die druckeroptimierte Seite
Autor (-en):
Ingolf Profft, DEMO Project, CarboEurope-IP
TLWJF Gotha
Kontakt:
Einstellung am:
17.03.2005
Aktualisierung am:
11.10.2005
Dokumenttyp:
Projektbeitrag
Zusammenfassung:
Die Wissenschaft bedient sich verschiedener Instrumente zur Ermittlung und zum Nachweis von Veränderungen des Erdklimas und der atmosphärischen Zusammensetzung. Die Phänologie, d. h. die Erfassung von jahreszeitlich wiederkehrenden Erscheinungen in der Pflanzen- und Tierwelt über lange Zeiträume (z. B. Beginn der Blüte im Frühjahr), ist eine einfache aber trotzdem wertvolle und aussagekräftige Methode.
Diese Untersuchungsmethode nutzt Dokumentationen zu den jahreszeitlichen Veränderungen von sich regelmäßig wiederholenden natürlichen Ereignissen und Abläufen. Insbesondere konzentriert man sich dabei auf Entwicklungsprozesse im Frühjahr und Herbst:
  • Austrieb von Blüten und Pflanzen
  • Rückkehr der Zugvögel
  • Erscheinen der Schmetterlinge
  • Eiablage der Vögel
  • Laichen der Amphibien sowie
  • Blattverfärbung und Blattfall im Herbst
Button zum Anfang der Seite
Die Vorteile dieses Verfahrens liegen in seiner einfachen und mit geringem Aufwand verbundenen Umsetzung, der für das naturinteressierte Publikum guten Verständlichkeit sowie den Ergebnissen, die allmähliche Veränderungen des Klimas auf regionaler und großräumiger Ebene gut abbilden.
Die älteste Beobachtungsreiheexistiert seit 705 n. Chr.: für das Kirschblütenfestes am Kaiserlichen Hof wird in Japan seit dieser Zeit der Zeitpunkt der Kirschblüte jedes Jahr dokumentiert.
Grundlage für die Einbeziehung bei klimarelevanten Analysen bildet der enge Zusammenhang zwischen der Phänologie einerseits und den verschiedenen Umweltfaktoren, z. B. Lufttemperatur, andererseits. Die Frühjahrs- und Sommerentwicklung wird fast ausschließlich durch die Lufttemperatur der dem betrachteten phänologischen Aspekt (z. B. Blattentfaltung) vorausgehenden Zeit (bis zu drei Monate) bestimmt; die Herbstentwicklung hängt u. a. auch von der Wasserversorgung ab.

Die Relevanz phänologischer Daten für ökologische Betrachtungen wurde bereits frühzeitig erkannt. In 1960er Jahren wurden 77 phänologische Gärten mit geklontem Pflanzenmaterial (Bäume und Sträucher) in Europa von Nordskandinavien bis zum Balkan gegründet. In Deutschland existiert seit 1951 ein phänologisches Beobachtungsnetz des Deutschen Wetterdienstes mit über 2000 Stationen (wild wachsenden Pflanzen, landwirtschaftlichen Kulturen, Wein und Obstbäume).
Auf der Grundlage der erfolgten langjährigen Messungen und Dokumentationen konnten bisher folgende Veränderungen für das Gebiet Europas nachgewiesen werden:
  • viele Vogelarten brüten heute im Durchschnitt 6 bis 14 Tage zeitiger als vor 30 Jahren
  • häufigeres Überwintern in den Brutgebieten
  • späterer Wegzug im Herbst und früherer Heimzug im Frühjahr
  • durchschnittliche Verfrühung von Blattentfaltung und Blüte: 1,4 bis 3,1 Tage pro Dekade und
  • zeitigerer Beginn der Apfelblüte in Deutschland im Zeitraum 1991 − 2000 im Vergleich zum Zeitraum 1961 − 1990 um durchschnittlich 7 Tage
  • verspätete Herbstphasen (Blattverfärbung und Blattfall) um 0,3 bis 1,6 Tage je Dekade
Button zum Anfang der Seite
Insgesamt hat sich die Vegetationsphase in den letzten 30 bis 50 Jahren um durchschnittlich 3,6 Tage je Dekade verlängert. In Deutschland hat sich die Vegetationsphase insbesondere für Laubbaumarten um mehr als 10 Tage zwischen 1951 und 2000 verlängert.

Kirschblüte als ein Merkmal für phänologische Erhebungen

Abb.1: Der Zeitpunkt der Kirschblüte zählt
zu einem wichtigen Kriterien für die Erfassung
von zeitlichen Veränderungen von Prozessen
in der Natur.

Die Aussagekraft der Daten aus phänologischen Untersuchungen wird durch die satellitengestützte Messung der jahreszeitlichen CO2-Entwicklung der Nordatmosphäre unterstrichen: Die Abnahme des CO2-Gehaltes nach dem winterlichen Maximum tritt heute ca. 7 Tage früher ein als 1960.
Trotzdem muss berücksichtigt werden, dass teilweise große Unterschiede zwischen verschiedenen Tier- und Pflanzenarten und ihrem phänologischen Verhalten bestehen.
Diese unterschiedlichen zeitlichen Verschiebungen können gravierende Auswirkungen auf Tier- und Pflanzengemeinschaften haben. Neben Veränderungen bei den Konkurrenz- verhältnissen und Verschiebungen in der Nahrungskette können Störungen der Synchronität in Ökosystemen (z. B. Zusammenspiel zwischen Blühzeitpunkt und Präsenz bestäubender Insekten oder Brutzeitpunkt und maximale Nahrungsverfügbarkeit) die Folge sein. Aber auch durch die zeitigere Blüte und eine mögliche Erhöhung der Spätfrostgefahr können sich zukünftig Risiken für unsere Pflanzen ergeben.
Quellen:

Chmielewski, F.-M. (2005): Mögliche Auswirkungen von Klimaänderungen auf die Vegetationsentwicklung. Vortrag im Rahmen des Workshops "Bodenschutz und Klimawandel" am 28. September 2005 in Dessau (Umweltbundesamt)

Menzel, Annette (2003): Anzeichen des Klimawandels in der Pflanzen- und Tierwelt. LWF aktuell Heft 37 der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (Hrsg.)
(online unter » www.lwf.bayern.de; Abruf am 24.09.2004; 10:30 Uhr)

Menzel, Annette (2003): Gibt die Phänologie Hinweise für den Klimawandel? AFZ-DerWald 52, 23: 867-869.

Button zur vorherigen Seite (zurueck) Bild zum Anfang der Seite Button zur naechsten Seite (vor) Button zur Startseite