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Die Entwicklung des Klimas in Thüringen

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Autor (-en):
Rainer Kunka
Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie, Jena
Kontakt:
Zusendung am:
06.05.2005
Einstellung am:
11.05.2005
Dokumenttyp:
Auszug aus der Broschüre "Klimawandel in Thüringen"
Zusammenfassung:
Um auf den Klimawandel reagieren zu können, muss man die künftige Entwicklung des Klimas prognostizieren. Auf der Grundlage vorhandener Wetterdaten wurde, gekoppelt mit den Aussagen globaler Klimamodelle, ein Zukunftsszenario für Thüringen erstellt. Ausgehend von der Entwicklung der Temperatur und des Niederschlags von 1971 bis 2000 wird eine Prognose für 2050 erstellt.

Wie entwickelte sich das Klima in Thüringen in den letzten 50 Jahren?

Das Klima der Vergangenheit zu bestimmen, ist leichter, als in die Zukunft zu schauen. Dafür stehen bereits Messdaten, insbesondere des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zur Verfügung. Deren Auswertung ergibt das auf den folgenden dargestellte Bild.
Als erstes wird die Lufttemperatur betrachtet.
Die Jahresmitteltemperatur hängt von der Höhenlage ab und liegt zwischen 5 bis 6 °C in den Kammlagen des Thüringer Waldes bis zu knapp 10 °C im Thüringer Becken.
Der Jahrestrend der letzten 50 Jahre zeigt eine allgemeine Temperaturzunahme. Die Stärke des Trends variiert ebenfalls in Abhängigkeit von der Höhenlage. So sind im Mittelgebirge großflächig geringere Temperaturerhöhungen von bis zu 0,4 °C gegenüber stärkeren mit 1,2 °C im Thüringer Becken festzustellen.
Die Erwärmung betrifft alle Jahreszeiten mit Ausnahme des Herbstes, am stärksten jedoch den Winter mit 1,8 °C bis 2 °C im Thüringer Becken und 1,2 °C im Thüringer Wald. Im Herbst treten flächendeckende Temperaturabnahmen auf, die im Mittelgebirge bis zu 0,4 °C betragen.

Mittlere Jahrestemperatur im Zeitraum 1971 bis 2000

Abb.1: Mittlere Jahrestemperatur im Zeitraum 1971 bis 2000

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Die mittleren Jahresniederschläge im Zeitraum 1971 bis 2000 variieren zwischen dem Thüringer Becken mit 400 bis 500 mm und den Kammlagen des Thüringer Waldes mit 1100 bis 1200 mm außerordentlich stark.
Die Trockenheit im Thüringer Becken wird von der bevorzugten Anströmrichtung aus südwestlichen Richtungen durch die Lee-Wirkung des Thüringer Waldes bewirkt. Im Thüringer Wald zeigt sich in den letzten 50 Jahren eine Niederschlagszunahme von 15 bis 20 Prozent, im Gegensatz dazu im Thüringer Becken eine Niederschlagsabnahme bis 10 Prozent, vereinzelt auch bis 20 Prozent.
Im Herbst und Winter nahm der Niederschlag seit 1951 im Thüringer Wald um 30 Prozent und im übrigen Teil des Freistaates um 20 Prozent zu, im Thüringer Becken jedoch nur um bis zu 10 Prozent. Für die Vegetationsperiode zeigen sich flächendeckend deutliche Niederschlagsabnahmen von örtlich bis über 30 Prozent. Am stärksten sind die Niederschlagsabnahmen während der Monate April, Mai und Juni.

Langjähriges Mittel der Niederschlagssummen im Zeitraum 1971 bis 2000

Abb.2: Langjähriges Mittel der Niederschlagssummen im Zeitraum 1971 bis 2000

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Welche Klimaveränderungen sind in Thüringen in den nächsten 50 Jahren möglich?

Eine weitere Erwärmung ist wahrscheinlich. Die berechnete Jahresmitteltemperatur für den Zeitraum 2021 bis 2050 ist in den folgenden Abbildungen dargestellt. Sie kann farblich direkt mit Abbildung 1 verglichen werden, die die Jahresmitteltemperatur 1971 bis 2000 darstellt. Der größere gelbe und rote Anteil gegenüber dem in Abbildung 3 vorhandenem blauen und grünen Anteil zeigt einen Anstieg der Jahresmitteltemperatur von ca. 1,5 °C.

Die Zunahme ist voraussichtlich bei den Maximumtemperaturen im Herbst mit 1,0 Grad am geringsten, sie beträgt nach dem berechneten Szenario im Frühling 1,1 °C, im Sommer 2,5 °C und im Winter 3,4 °C. Für die Mittelgebirgsregionen fällt die berechnete Erwärmung beim Maximum im Winter und im Sommer ca. 0,5 °C geringer aus als dies für tiefer gelegene Stationen der Fall ist.

Die berechneten Änderungen der Minimumtemperatur fallen im Vergleich zur Maximum-Temperatur mit Ausnahme des Winters deutlich geringer aus. Im Jahrzehnt 2041⁄2050 ergibt sich demnach eine Erwärmung im Frühling um 0,6 °C, im Sommer um 1,7 °C, im Herbst um 0,5 °C und im Winter um 3,2 °C.

Mittlere Jahrestemperatur im Zeitraum 2021 bis 2050

Abb.3: Mittlere Jahrestemperatur im Zeitraum 2021 bis 2050

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Beim Niederschlag zeigen sich signifikante geographisch gegliederte Unterschiede für die Änderung der Monatssumme im Winter durch eine verstärkte Süd- bis Südwestanströmung mit Staueffekten vor dem Thüringer Wald und Harz. Ansatzweise ist dieser Effekt auch im Sommer sichtbar. Ebenso wie bei der Lufttemperatur wird auch beim Niederschlag eine Entwicklung erwartet, die von Dekade zu Dekade nicht gleichförmig erfolgt. Im Winter zeigt sich eine deutliche Zunahme der monatlichen Niederschlagssummen.
Die Rechnungen ergaben, dass diese im Flächenmittel über Thüringen 22,9 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 1981⁄2000 liegen. Besonders in den durch Luftmassenstau an den Gebirgen beeinflussten Regionen ist eine Zunahme der Niederschläge von 40 bis zu 50 Prozent, an Einzelstationen auch noch darüber möglich. Im unmittelbaren Lee-Bereich gibt es demgegenüber eine Reihe von Stationen, bei denen auch im Winter eine Verringerung der Niederschläge auftreten kann.
Im Sommer und Herbst ist mit einer Abnahme der mittleren Monatsniederschläge zu rechnen. Im Flächenmittel könnte die Änderung der Monatsniederschläge im Sommer -7,5 Prozent und im Herbst -9,7 Prozent betragen. Im Frühling ist die zu erwartende Niederschlagsänderung mit +3 Prozent geringfügig. Damit könnte sich das gebietsweise bereits jetzt spürbare Defizit an Niederschlag während der Vegetationszeit noch verstärken. Die Variabilität von Station zu Station ist beim Niederschlag in den Sommermonaten wegen der verstärkten Schauertätigkeit deutlich größer als in den übrigen Jahreszeiten. Dabei besteht eine allgemeine Tendenz zu größerer Trockenheit von Südwest nach Nordost. Besonders die Region um den Harz lässt eine deutliche Abnahme der Niederschläge im Sommer erkennen.
Im Szenario zeigt sich sehr deutlich eine Verringerung der Anzahl der Frost- (Tmin < 0 °C) und Eistage (Tmax < 0 °C). Die Zahl der Sommertage (Tmax > 25 °C) und heißen Tage (Tmax > 30 °C) scheint deutlich zuzunehmen. Im Sommer werden nach dem Szenario Maximaltemperaturen bis zu 40 °C erwartet. Dieser Wert liegt ca. 1 °C höher als die bisherigen mittleren Maxima. Analog dürfte die Zunahme der höchsten Tagesminima verlaufen. In dieser Jahreszeit ist auch mit einer Zunahme von Niederschlagsereignissen mit hoher Intensität zu rechnen. Dies ergibt sich aus einer Intensivierung der Schauer- und Gewittertätigkeit in dem hier untersuchten Klimaszenario trotz einer Abnahme der mittleren Niederschläge im Sommer. Im Winter hingegen ist sowohl mit einer Zunahme der Häufigkeit mäßig starker Niederschlagsereignisse als auch mit einer Zunahme der Häufigkeit starker Niederschlagsereignisse zu rechnen.

Langjähriges Mittel der Niederschlagssummen im Zeitraum 2021 bis 2050

Abb.3: Langjähriges Mittel der Niederschlagssummen im Zeitraum 2021 bis 2050

Quellen:
Broschüre » "Klimawandel in Thüringen" (pdf-Datei; 2,8 MB)

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