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Der Hohenheimer Jahrringkalender

Wie mit Hilfe der Dendrochronologie wertvolle Informationen aus den Jahrringen der Bäume gewonnen werden

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Autor (-en):
Dipl.Agr.-Biol. Michael Friedrich
Universität Hohenheim, AG Dendrochronologie
Kontakt:
Zusendung am:
01.12.2006
Einstellung am:
12.12.2006
Dokumenttyp:
für das Internetportal "Wald & Klima" zur Verfügung gestellter Beitrag
Zusammenfassung:
Jedes Jahr wird ein Baum um einen Jahrring dicker. Wie dick dieser Jahrring wird, hängt von der jährlichen Witterung und vom Standort ab. Unter dem Mikroskop lässt sich die Breite dieser Jahrringe vermessen und als Jahrringkurve darstellen. Sie ist bei zeitgleich gewachsenen Bäumen sehr ähnlich. Durch schrittweises Übereinanderlegen von Jahrringkurven immer älterer Bäume gelangt man zu einer zusammenhängenden Gesamtkurve, die bis weit in die Vergangenheit zurück reicht. Im Jahrringlabor des Instituts für Botanik der Universität Hohenheim ist es gelungen, einen ununterbrochenen Jahrringkalender aufzubauen, der von heute rund 12.000 Jahre bis an das Ende der letzten Eiszeit zurück reicht. Dieser Jahrringkalender ist der längste der Welt. Da in den Jahrringen der Bäume auch Ereignisse wie Waldbrände, Schädlingsbefall oder Hochwässer gespeichert sind, dokumentieren sie in sehr anschaulicher Weise auch Wetterdaten und bilden damit einen Baustein für die Umwelt- und Klimaforschung.

Jahrringforschung - Mit Baumringen exakt datieren

Jedes Jahr wird ein Baum um einen Jahrring dicker. Wie dick dieser Jahrring wird, hängt von der jährlichen Witterung und vom Standort ab. Unter dem Mikroskop lässt sich die Breite dieser Jahrringe vermessen und als Jahrringkurve darstellen. Sie ist bei zeitgleich gewachsenen Bäumen sehr ähnlich. Durch schrittweises Übereinanderlegen von Jahrringkurven immer älterer Bäume gelangt man zu einer zusammenhängenden Gesamtkurve, die bis weit in die Vergangenheit zurück reicht. Sie wird als Standardkurve bezeichnet. Wie alt ein Stück Holz ist, lässt sich also durch den Vergleich seiner Jahrringkurve mit dieser Standardkurve exakt bestimmen.
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Der süddeutsche Jahrringkalender

Im Jahrringlabor des Instituts für Botanik der Universität Hohenheim ist es gelungen, einen ununterbrochenen Jahrringkalender aufzubauen, der von heute rund 12.000 Jahre bis an das Ende der letzten Eiszeit zurück reicht. Dazu wurden die Jahrringkurven von heute gefällten Bäumen, von Balken aus Fachwerkhäusern, von Hölzern archäologischer Fundstellen und schließlich von über 6000 sogenannter Mooreichen und Kiefern aus Kiesgruben der süddeutschen Flüsse zu einer gemeinsamen Reihe verbunden. Dieser Jahrringkalender ist der längste der Welt. Mit ihm kann man Holz aus Fachwerkhäusern, von Kunstwerken oder Musikinstrumenten ebenso präzise datieren wie urgeschichtliche Pfahlbauten oder späteiszeitliche Kiefernstämme. So wurden in Baden-Württemberg beispielsweise die steinzeitlichen Pfahlbausiedlungen am Bodensee, die keltische Heuneburg an der Donau, hölzerne Brunnen des römischen Limes bei Rainau-Buch und eine Vielzahl von Kirchen und Fachwerkgebäuden aus dem Mittelalter exakt datiert.

Bäume als Klima- und Umweltarchive

Bäume speichern aber auch Ereignisse wie Waldbrände, Schädlingsbefall oder Hochwässer in ihren Jahrringen. Und sie dokumentieren das Wetter. Trockene Sommer oder strenge Winter ergeben bei uns schmale Ringe - feuchte, milde Jahre dagegen breite. Ein typisches Beispiel ist das Trockenjahr 1976, das sich in fast allen Bäumen Süddeutschlands als sehr schmaler Ring wiederfindet. Der Hohenheimer Jahrringkalender ist somit ein einzigartiges Archiv für die letzten 12.000 Jahre, das uns Jahr für Jahr Informationen über ehemalige Wetterabläufe liefert. Er ist deshalb heute neben dem Gletschereis und den Meeres- und Seesedimenten ein bedeutendes Weltklimaarchiv.
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Die letzten 2000 Jahre aus dem Hohenheimer Jahrringkalender

Mit 400 Jahrringen einer mächtigen Tanne aus dem Schwarzwald beginnt der Kalender. Die Bohrkerne und Balkenabschnitte stammen von Fachwerkhäusern und anderen Holzkonstruktionen aus verschiedenen Regionen in Baden-Württemberg. Im älteren Abschnitt sind es "subfossile" Auwaldeichen, die in Kiesgruben von Donau und Rhein gefunden wurden - neben Hölzern aus archäologischen Ausgrabungen. Die Tannen (helles Holz) und Eichen (dunkles Holz) sind zwischen der Zeitenwende und heute gewachsen. Sie überdecken damit die letzten 2000 Jahre. Ihre überlappenden Jahrringe zeigen gleiche Wachstumsmuster.

Holozäne Eichenchronolologien Hohenheim

Balkendiagramm der einzelnen Teilabschnitte der Hohenheimer Eichen-Jahrringchronologie des Holozäns

Balkendiagramm der einzelnen Teilabschnitte der Hohenheimer Eichen- Jahrringchronologie des Holozäns. Die Jahrringe von mehr als 5000 Eichenstämmen aus Kiesgruben verschiedener Flusstäler Süd- und Ostdeutschlands und viele tausend Holzproben aus Gebäuden und archäologischen Fundkomplexen wurden zum ‚Hohenheimer Eichenstandard′ kombiniert. Der Hohenheimer Jahrringkalender ist weltweit die längste ununterbrochene Jahrringserie (Stand 2005).

(Anmerkung:
BP - before present - "vor heute", wobei "present" das Jahr 1950 n. Chr. bedeutet, also Jahre vor 1950;
BC - before Christ - vor Christus;
AD - Anno Domini - nach Christus)

Literatur⁄Quelle:
Friedrich, M., Remmele, S., Kromer, B., Spurk, M., Hofmann, J., Hurni, J.-P., Kaiser, K. F., and Küppers, M. (2004). The 12.480-year Hohenheim oak and pine tree-ring chronology from Central Europe - A unique annual record for radiocarbon calibration and palaeoenvironment reconstructions. Radiocarbon 46, 1111-1122.

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Aktueller Stand einiger Hohenheimer Jahrringchronologien

Hohenheimer Gesamtstandard: 10.480 v.Chr. - heute (12.483 Jahre)

Abbildung zum Hohenheimer Jahrringkalender

zum Vergrößern die Abbildung anklicken

Eiche:
Eichenstandard Hohenheim: 8480 v.Chr. - heute

Tanne:
Tannenstandard Hohenheim: 820 AD - heute

Fichte:
Fichtenstandard Hohenheim: 1032 AD - heute

Kiefer:
Chronologie Späteiszeit: ca. 12.365 - 10.750 v.Chr. (14.315-12.700 BP) (schwimmend)
Chronologie Frühholozän: 10.480 - 7942 v. Chr. (12.430-9892 BP)
Kiefernstandard historisch: 1109 AD - heute


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